
Seit Oktober 2026 wird im Webergut gebaut. Doch die Verwandlung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes hat schon Jahre zuvor begonnen. Menschen haben sich zusammengefunden, Ideen entwickelt, Räume belebt und Erfahrungen gesammelt. Was heute auf der Baustelle sichtbar wird, ist das Ergebnis einer langen gemeinsamen Entwicklung.
Wie möchten wir wohnen, arbeiten und zusammenleben? Im Urbanen Dorf Webergut gestalten die künftigen Bewohner die Antworten auf diese Frage mit.
Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebensformen und Lebenswelten bringen ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ideen ein. Sie entwickeln ihren zukünftigen Lebensraum gemeinsam und übernehmen Verantwortung für das, was entsteht.
Die Genossenschaft Urbane Dörfer ist soziokratisch organisiert. Das bedeutet: Die Beteiligten teilen Verantwortung und treffen Entscheidungen möglichst dort, wo sie anfallen. So können viele Menschen mitgestalten und ihre unterschiedlichen Perspektiven einbringen.
Diese Haltung prägt auch die Planung der Räume. Neben 109 Wohnungen entstehen rund 900 Quadratmeter gemeinschaftlich genutzte Flächen. Herzstück ist ein rund 400 Quadratmeter grosser Dorfplatz. Was dort künftig stattfindet, gestalten die Menschen, die ihn nutzen.
Wer wohnt eigentlich nebenan? In den meisten Wohnüberbauungen erfahren die Menschen das erst beim Einzug. Im Webergut beginnt das Kennenlernen viel früher.
Seit Jahren wächst eine Gemeinschaft, die das Urbane Dorf gemeinsam entwickelt. Rund 20 Erwachsene und 15 Kinder engagieren sich heute in der Pioniergruppe. Sie verbringen Zeit miteinander, tauschen sich aus, diskutieren unterschiedliche Bedürfnisse und lernen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen.
Im Frühling 2027 beginnt der Bewerbungsprozess für die Wohnungen. Bis zum geplanten Einzug ab Herbst 2028 bleibt Zeit, damit weitere Menschen dazukommen, Beziehungen entstehen und die zukünftige Dorfgemeinschaft zusammenwachsen kann.
So beginnt Nachbarschaft nicht erst, wenn die Umzugskartons ausgepackt sind.

Ein Coworking Space, ein Bewegungsraum, gemeinschaftliche Veranstaltungen und eine Grossküche für regionale Food-Start-ups: Im Webergut wird schon heute einiges ausprobiert, was später zum Dorfleben gehören könnte.
Die Pioniergruppe nutzt das Gebäude seit Jahren als Experimentierfeld. Manche Ideen bewähren sich, andere entwickeln sich weiter oder werden wieder verworfen. Entscheidend sind die Erfahrungen, die dabei entstehen.
Welche Räume funktionieren für welche Aktivitäten? Was bringt Menschen zusammen? Wie lassen sich Angebote so organisieren, dass Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird?
Die Erkenntnisse aus der Zwischennutzung fliessen in die weitere Planung ein. So entsteht das zukünftige Nutzungskonzept nicht allein am Schreibtisch, sondern wächst aus der Praxis.
Wohnraum ist knapp. Gleichzeitig stehen andernorts Büroflächen leer. Weshalb also immer neu bauen, wenn bereits Gebäude vorhanden sind?
Im Webergut wird das ehemalige Bundesverwaltungsgericht nicht abgerissen, sondern umgenutzt. Aus Büros entstehen Wohnungen, Begegnungsorte und Räume für Gewerbe und Dienstleistungen.
Das stellt das Planungsteam vor besondere Herausforderungen. Ein Verwaltungsgebäude folgt anderen räumlichen Regeln als ein Wohnhaus. Die bestehende Struktur muss für vielfältige Wohnungsgrundrisse und Nutzungen angepasst werden, ohne die tragende Bausubstanz unnötig zu verändern.
Wo immer möglich, bleiben Bauteile erhalten oder werden wiederverwendet. Damit bleibt auch ein grosser Teil der bereits verbauten Ressourcen und der grauen Energie erhalten. Zugleich soll die Geschichte des Gebäudes sichtbar bleiben: Alt und Neu dürfen sich unterscheiden.
Das Webergut zeigt, welches Potenzial in bestehenden Gebäuden steckt – und wie aus einem Verwaltungsbau ein lebendiger Lebens- und Arbeitsort werden kann.

Was brauchen wir wirklich, um gut zu leben? Und wie können wir unsere Bedürfnisse erfüllen, ohne die ökologischen Grenzen unseres Planeten zu überschreiten?
Diesen Fragen geht das Webergut gemeinsam mit Forschenden der Berner Fachhochschule nach. Im transdisziplinären Forschungsprojekt «Urban Future Lab» wird seit 2021 untersucht, wie sich Lebensqualität und ein ressourcenleichter Alltag miteinander verbinden lassen. Im Fokus stehen insbesondere Wohnen und Ernährung.
Das Besondere: Das Webergut ist nicht nur Forschungsgegenstand, sondern Reallabor. Hier können die Beteiligten Ideen im Alltag ausprobieren, Erfahrungen sammeln und ihre Erkenntnisse in die weitere Entwicklung einfliessen lassen.
Was nutzen wir gemeinsam statt allein? Welche Gewohnheiten möchten wir verändern? Und wie können wir unseren Alltag so gestalten, dass er uns guttut und gleichzeitig weniger Ressourcen verbraucht?
Mehr zum Forschungsprojekt «Urban Future Lab»
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Bedürfnisse. Der Wunsch nach Selbstständigkeit, vertrauten Beziehungen und einem lebendigen Alltag bleibt.
Wie können Menschen auch im Alter selbstbestimmt leben und Teil einer Gemeinschaft bleiben? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Initiative «Mitten im Leben alt werden», die von der Age-Stiftung gefördert und von der Berner Fachhochschule, Departement Soziale Arbeit, fachlich begleitet wird.
Geplant sind unter anderem zehn barrierefreie Wohnungen. Dazu kommen Ansätze für gegenseitige Unterstützung im Alltag und bedarfsgerechte Dienstleistungen.
Das Ziel: ein Umfeld, in dem Menschen unterschiedlicher Generationen miteinander verbunden sind, einander unterstützen können und gleichzeitig ihren eigenen Lebensrhythmus behalten.
Damit greift das Webergut eine gesellschaftlich wichtige Frage auf: Wie gestalten wir Lebensräume, in denen Menschen möglichst lange selbstbestimmt und in ihrem vertrauten Umfeld leben können?
Wie entsteht aus einer Idee ein Urbanes Dorf? Was motiviert Menschen, sich über Jahre dafür zu engagieren? Und was geschieht, wenn unterschiedliche Vorstellungen, grosse Hoffnungen und praktische Grenzen aufeinandertreffen?
Die Filmemacher Daniel Schifferli und Tobias Grimm begleiten die Entwicklung des Weberguts seit mehreren Jahren mit der Kamera.
Ihre mehrteilige Dokumentation «Webergut – Eine Reise ins Morgen» erzählt von den Menschen hinter dem Projekt, ihren Ideen und Erfahrungen. Sie zeigt nicht nur die Vision, sondern auch die Herausforderungen, Rückschläge und überraschenden Wendungen auf dem Weg dorthin.
Das erste Kapitel, «Aufbruch», ist bereits veröffentlicht.
Die sieben Besonderheiten zeigen, was das Urbane Dorf Webergut ausmacht: Menschen entwickeln ihren Lebensraum selbst, sammeln schon heute gemeinsame Erfahrungen und suchen nach Wegen für ein verbundenes, selbstbestimmtes und ressourcenleichtes Leben.
Mit dem Baustart im Oktober 2026 erreicht das Projekt einen weiteren Meilenstein. Ab Herbst 2028 sollen rund 250 Menschen hier ihr Zuhause finden.