
Wie entstehen Nachbarschaften, die Menschen auch dann tragen, wenn das Leben verletzlich wird? Darüber diskutierten Ende Mai die Gäste am C2C Impuls im Quadrat.
Der demografische Wandel verändert die Anforderungen an das Wohnen. Immer mehr Menschen möchten möglichst lange selbstbestimmt leben. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Unterstützung, während Pflegefachpersonen fehlen. Für Sandra Remund und Matthias Tobler braucht es neue Wohn- und Lebensformen.
Für Matthias Tobler von Urbane Dörfer dürfen Architektur und Nutzung nicht nacheinander gedacht werden, sondern müssen von Anfang an im Wechselspiel entstehen. [angepasst: aus dem wörtlichen Zitat wurde eine sinngemäße Paraphrase, da sich die exakte Formulierung im Original nicht belegen lässt] Sein Standpunkt: Architektur allein schafft noch keine Gemeinschaft. Erst wenn Menschen einen Ort gemeinsam gestalten, Beziehungen aufbauen und Verantwortung übernehmen, entsteht eine tragfähige Nachbarschaft.
Diesen Ansatz verfolgt Urbane Dörfer im Webergut in Zollikofen. Dort wandelt sich ein ehemaliges Bürogebäude zu einem Wohn-, Arbeits- und Lernort für rund 250 Menschen. Die zukünftigen Bewohner:innen gestalten das Projekt schon heute mit. Sie erproben Nutzungen, knüpfen Netzwerke und sammeln Erfahrungen, lange bevor die ersten Wohnungen 2028 bezogen werden.
Architektin Sandra Remund verfolgt denselben Gedanken. Als Expertin für Wohnen im Alter begleitet sie Gemeinden und Wohnprojekte. Ein gutes Wohnprojekt beginnt für auch für sie nicht mit einem Gebäude, sondern mit den Menschen. «Gemeinschaftliches Wohnen ist für einen Teil der Menschen die richtige Lösung», sagt sie. «Doch Menschen leben unterschiedlich. Deshalb entstehen tragfähige Wohnformen dort, wo Gemeinden gemeinsam mit der Bevölkerung Lösungen entwickeln, die zum Ort und zu den Bedürfnissen der Menschen passen.»
Wohnen neu denken
Der demografische Wandel prägte das Gespräch. Bis 2050 nimmt die Zahl der über 65-Jährigen um rund 60 Prozent und die Zahl der über 80-Jährigen um rund 140 Prozent zu. Gleichzeitig verschärft sich der Mangel an Fachkräften in Pflege und Betreuung.
Für Matthias Tobler ist diese Entwicklung kein Anlass zur Resignation: «Der demografische Wandel ist keine Krise, sondern ein gemeinsamer Gestaltungsauftrag.»
Er plädierte dafür, Sorge wieder stärker in der Nachbarschaft zu verankern. Gemeinschaft ersetzt professionelle Pflege nicht. Sie schafft jedoch Beziehungen, fördert gegenseitige Unterstützung und hilft, Einsamkeit vorzubeugen.
Auch Sandra Remund erlebt diesen Wandel in ihrer Arbeit. Viele Gemeinden suchen nach Wohnformen zwischen den eigenen vier Wänden und dem Pflegeheim. Sie wünschen sich Lösungen, die Selbstständigkeit erhalten und gleichzeitig Nähe ermöglichen.
Ein tragfähiges Wohnprojekt entsteht nicht am Reissbrett. Beide Referierenden betonten, wie wichtig es ist, Menschen früh einzubeziehen. Sie lernen einander kennen, entwickeln gemeinsame Vorstellungen und wachsen Schritt für Schritt zu einer Gemeinschaft zusammen.
Genau darin liegt die Herausforderung: Gemeinschaft lässt sich weder planen noch verordnen. Sie wächst dort, wo Menschen Verantwortung teilen und ihren Lebensraum gemeinsam gestalten.
Diese Diskussion ist Teil der C2C-Impuls-Reihe «Zukunft – Gemeinschaft & Wohnen 2026» im Quadrat, die seit mehreren Jahren Fragen rund um nachhaltiges Wohnen und gemeinschaftliche Lebensformen aufgreift.
Vielen Dank ans Team von Quadrat für das Zurverfügungstellen des Videos.