22/6/2023
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Was ist Placemaking?
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Fabian Eckhart

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Kennst du dieses Gefühl? Du bist  in einer neuen Stadt unterwegs, biegst  in eine Strasse ein und triffst  auf einen Ort, der dich sofort anspricht. Die Häuserzeile, der Platz oder der Park wirkt einladend und gerne möchtest du da verweilen und alles erkunden, die Stimmung aufsaugen. Es ist ein warmes Bauchgefühl, von Neugierde geprägt. Warum ist das so, dass manche Orte so etwas auslösen können? Oder anders gefragt: Warum lösen die meisten Plätze kein solch positives Gefühl bei uns aus?

Eine Antwort lautet: Placemaking.

Placemaking ist eine viel erprobte und gut untersuchte Möglichkeit, öffentliche Plätze, Parks oder ganze Stadtviertel systematisch neu zu denken, um das Potential dieser Räume voll auszuschöpfen.

Geschichte von Placemaking

Placemaking ist keine neue Idee. Das “Project for Public Spaces” (PPS.org), eine Organisation, die Placemaking-Initiativen in verschiedenen Ländern der Welt fördert, verwendet den Begriff seit Mitte der 1990er Jahre. Und bereits in den 1960er Jahren entstanden die grundlegenden Ideen des Placemakings. Damals stellten Jane Jacobs und William H. Whyte bahnbrechende Ideen vor: Lasst uns Städte für Menschen und nicht nur für Autos gestalten! Ihre Arbeiten konzentrierten sich auf die soziale und kulturelle Bedeutung lebendiger und einladender öffentlicher Räume. Mit der inzwischen berühmten Idee der "Augen auf der Strasse" regte Jacobs dazu an, sich die Strassen anzueignen. Whyte beobachtete Menschen und deren Verhalten auf Plätzen und Strassen und skizzierte daraus Schlüsselelemente für ein lebendiges und soziales Leben im öffentlichen Raum. Mit der Vorarbeit dieser urbanen Pionieren hat das “Project for Public Spaces” seit 1975 schrittweise einen umfassenden Placemaking-Ansatz entwickelt.

Placemaking heute

Die standardisierten und unflexiblen Stadt-Planungsprozesse des 20. Jahrhunderts sind sehr institutionalisiert. Dadurch haben lokale Akteur*innen (Menschen einer Nachbarschaft, die lokale Community) selten die Möglichkeit, ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche zu äussern. Placemaking bietet Möglichkeiten, diese Strukturen aufbrechen, indem es Planer*innen und Designer*innen zeigt, wie wertvoll es ist, sich über den teils engen Fokus ihrer eigenen Berufe und Disziplinen hinaus zu bewegen. Es regt dazu an, den Dialog mit den Anwohner*innen zu suchen.

Leere öffentliche Plätze oder wenig genutzte Park entstehen, weil die Bedürfnisse der Nachbarschaft zu wenig berücksichtigt werden. Diesem Problem kann man mit Placemaking begegnen. Damit wird ein Ort in seiner Gesamtheit betrachtet, anstatt sich auf einzelne Komponenten und Designelemente zu konzentrieren.

Grundprinzipien von Placemaking

Ein Schlüssel zu langfristig erfolgreichen und qualitativ hochwertigen Projekten ist das Zusammenspiel der drei Dimensionen: Orgware, Hardware und Software.

Traditionell kümmert sich die Architektur- und Stadtplanung um die Hardware, also die Infrastruktur und die Grundvoraussetzungen des physischen Raums an einem bestimmten Ort. Es braucht aber weitere Komponenten, damit dieser Ort lebendig und sinnstiftend für die Nachbarschaft oder die betreffende Community wird. Je mehr Funktionen und Gestaltungsmöglichkeiten ein Ort hat, desto stärker wird das Zugehörigkeitsgefühl der nutzenden Personen. Beispiel: Dürfen Anwohnende bei einem schönen Bepflanzungsprojekt vor ihren Mietwohnungen mitmachen, fühlen sie sich dem Ort, einander und zum öffentlichen Raum zwischen ihren Wohnungen mehr verbunden. Das hat auch zur Folge, dass sie selbst mehr Sorge tragen zu ihrem Umfeld und beispielsweise darauf achten, den Raum in der Stadt nicht mit Littering zu beschmutzen.

Wann fühlen sich Menschen in einem öffentlichen Raum wohl und möchten verweilen und mit anderen Menschen interagieren?

Folgende 5 Punkte müssen erfüllt sein:

Informell:
Der Ort darf nicht steif und abweisend sein. Das Ziel sollte sein, das «Wohnzimmer»-Gefühl nach draussen zu bringen.

Innovativ:
Es muss Möglichkeiten zur sozialen und wirtschaftlichen Innovation geben. Dinge sollen ausprobiert, getestet, verworfen und neu gedacht werden können.

Unvollständig:
Eine Voraussetzung ist es, dass die Nutzenden mitgestalten können. Dies kann in unterschiedlichste Weisen bewerkstelligt werden. Ein Beispiel sind die so genannten Fassadengärten z.B. in Amsterdam. Die Stadt erlaubt es den Hausbesitzer*innen, eine Bodenplatte aus dem Trottoir zu entfernen, um dort Pflanzen zu ziehen. Dies hat zur Folge, dass sich die Nachbarschaft teilweise damit zu übertrumpfen versucht, wer die üppigere Fassadenbegrünung hinbekommt.

Menschliche Grössenordnung:
An kleineren Orten fühlen sich die Menschen wohler als auf einem grossen, weiten und offenen Platz. Grosse Orte können durch geeignete Massnahmen umgestaltet werden, dass mehrere, intimere Ecken und Bereiche entstehen, an denen man sich gerne aufhalten möchte.

Inklusiv:
Eine grosse Variation der Benutzergruppen ist wichtig. Es können nie alle unterschiedlichsten Menschen an einem Ort sein. Es muss aber darauf geachtet werden, dass keine Gruppe ausgeschlossen wird und auch, dass keine Gruppe den Ort alleine dominiert. Beispielsweise ist es wünschenswert, dass Personen ohne Obdach auf einem Platz ebenso einen Platz haben wie Menschen, die nicht auf der Strasse leben. Es sollten aber weder Erstere noch Zweitere den Ort komplett für sich «einnehmen».

Dorfpionier Fabian Eckhart hat in Amsterdam, in einer der Metropolen des Placemaking, in einem Training von den Besten in diesem Bereich gelernt. Er wird dieses Wissen wieder in die Projekte von Urbane Dörfer einfliessen lassen.


Placemaking in der Schweiz: placemaking-switzerland.ch

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