10/3/2026
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Das Webergut lernt
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Wir probieren aus. Nicht alles funktioniert. Wir lernen und machen weiter. Neugierig, unfertig, lebendig. Das ist das Webergut.

Text: Barbara

Im Urbanen Dorf Webergut lernen wir nicht nur etwas über das Leben. Wir lernen im Leben. Und das zeigt sich täglich: in der Art, wie wir Entscheidungen treffen, wie wir Angebote testen, wie wir miteinander wirtschaften – und wie wir gemeinsam herausfinden, was uns als Gemeinschaft zusammenhält.

Die Burgergemeinde Bern sucht 2025 Ideen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken: Über 330 Projekte nahmen teil; das Lerndorf Zollikofen (Urbanes Dorf Webergut) erreicht Platz 4.

Ein Beispiel dafür ist das Lerndorf Zollikofen. Das Team – Joanna Basler, Manuela Binggeli, Joris Schwarzenbach, Matthias Tobler, Barbara Zesiger und Fredi Zumbrunn – hat diese Idee aus dem Alltag des Weberguts heraus entwickelt: Was wäre, wenn wir das Wissen und die Fähigkeiten aller Menschen im Quartier sichtbar machen und teilen? Im Sommer 2025 haben wir das im Rahmen des Ideenwettbewerbs «Inspiration» der Burgergemeinde Bern auf die Probe gestellt. Von 334 eingereichten Ideen schaffte es das Lerndorf Zollikofen durch alle drei Runden bis ins Finale. Die Gesamtförderung betrug 16'000 Franken. Und der Workshop, den wir im September 2025 durchführten, übertraf alle Erwartungen.

Lernen verbindet

Rund 40 Menschen von 6 bis 75 Jahren, die sich teilweise nicht kannten, setzten sich in Dreiergesprächen zusammen. Jede Person übernahm reihum drei Rollen: Schatzsucher:in, Erzähler:in, Schatzhörer:in. Die Fragen waren so einfach wie tiefgründig: Was machst du so gern, dass du kaum merkst, wie gut du darin bist? Welche Fähigkeit würdest du gern weitergeben? Auch Alltägliches und Zwischenmenschliches zählte.

Wir lernen alle – ein Leben lang: Im Workshop begegneten wir uns selbst und einander als neugierige Lernende.

Die Gespräche über das Lernen waren tief. Als die Moderator:innen die Runden beenden wollten, kamen sie kaum durch. «Mich hat berührt, dass von Anfang an ein wirklich offenes Lernklima geherrscht hat», verriet eine Teilnehmerin nach dem Workshop. Eine andere Person erzählte begeistert: «Ich habe gelernt, dass ich viel mehr kann, als ich gedacht habe – Dinge, die man im Alltag oft übersieht.»

Dann hängten alle ihre Kärtchen an die Wand: was sie gelernt haben, was sie gerade am Lernen sind, was sie noch lernen möchten. Die Lernlandkarte füllte sich. «Ich habe noch nie einen Workshop erlebt, in dem ich mich so lebendig gefühlt habe», schwärmte ein Teilnehmer. «Es ging nicht um Diplome oder darum, wer am meisten weiss. Sondern darum, wer wir sind und was wir gerade lernen.»

Lernen macht lebendig

Das Lerndorf erreichte im Ideenwettbewerb der Burgergemeinde den vierten Platz. Die vorderen Ränge hätten eine höhere und längerfristige Förderung bedeutet – und die Möglichkeit, das Format jetzt schon in andere Quartiere zu tragen. Dafür fehlen aktuell die Ressourcen. Unser Lernpflänzchen pflegen wir deshalb erst einmal bei uns: Die Lernkultur, die wir im Workshop erlebt haben, verankern wir in unserer eigenen Gemeinschaft. «Solange ich lerne, lebe ich noch», war die Erkenntnis einer Teilnehmerin am Ende des Workshops. Das gilt ebenso für das Lerndorf und das Webergut als Ganzes.

Lernen macht beweglich

Was im Workshop spürbar war, ist kein Ausnahmezustand. Es ist Alltag – in vielen verschiedenen Formen.

Zwölf Dorfpionier:innen lernen seit Anfang 2026 Soziokratie: wie man als Gemeinschaft Entscheidungen trifft, Rollen klärt, Verantwortung teilt. Nicht weil es vorgeschrieben ist, sondern weil Mitentscheiden gelernt sein will. Im Coworking-Space Weberwerk entstehen Lern- und Schreibplätze für Studierende und alle, die fokussiert denken wollen. Beim Kafi läuft das Informelle – Fragen, Austausch, Ideen.

Als lernende Gemeinschaft passen wir uns an – und finden dabei immer wieder kreative Wege. Der Zolliguet-Laden hat in der neuen Zwischennutzung keinen eigenen Raum mehr und hat sich als FoodKoop neu erfunden. Das Kreativatelier wurde aus Platzmangel zum offenen Kreativschrank. Beim Bewegungsraum geht es in die andere Richtung: Austoben, Krafttrainings und Pilates-Kurse finden heute nicht mehr in einem Grossraumbüro mit Teppichboden statt. Wir haben jetzt eine richtige Turnhalle – barrierefrei und mit Garderoben und Duschen. Die äusseren Umstände ändern sich? Macht nichts. Wir ändern uns auch.

Lernen ist nie fertig

Nicht alles gelingt. Manches kommt anders als gedacht – und ist dann trotzdem gut. 2028, wenn wir gemeinsam in das fertige Urbane Dorf Webergut einziehen, werden wir das mitbringen, was keine Wohnung hat und keinen Grundriss benötigt: eine Gemeinschaft, die gelernt hat, gemeinsam zu lernen. Das Webergut wächst: nach innen und nach aussen, zusammen und weiter. Mit dem Lernen sind wir nicht fertig. Und wir werden es nie sein.

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